Archiv der Kategorie Diagnostik
Biographische Diagnostik: aussagefähig, anspruchsvoll und sträflich vernachlässigt
3.10.2011 von admin.
Biographische Diagnostik eröffnet in allen Bereichen der angewandten Psychologie reichhaltige Einsichtsmöglichkeiten, die in der realen Praxis nur selten genutzt werden. Gerd Jüttemann (Berlin) legt einen Aufsatzband vor, in dem 37 AutorInnen aus ihrer jeweiligen Subdisziplin die Potenziale der Biographischen Diagnostik reflektieren und konkretisieren.
Pia Neiwert, Schülerin des deutsch-amerikanischen Psychologen Otto Laske, postuliert in ihrem Beitrag zur Personalbeurteilung: “Kompetent zu sein ist nicht genug. Auf die Entwicklung kommt es an.” Die Diagnostikerin achtet darauf, welchen Reifegrad ein Erwachsener erreicht hat. Grob skizziert - sieht Neiwert drei Phasen, die Menschen früher oder später durchlaufen:
- Denken: Zunächst entwickelt sich logisches Denken, daraus resultieren Ansätze dialektischen Denkens, und schließlich bilden sich logisches wie dialektisches Denken voll aus.
- Wissen: Zunächst scheint Wissen absolut, klar und peergroup- bzw. autoritätsbezogen; allmählich wächst die Erfahrung, dass Wissen unsicher bleibt, relativ und kontextbezogen; schließlich wird Wissen aktiv konstruiert, relativiert, kontextbezogen betrachtet - und bleibt offen für neue Einschätzungen.
- Entscheiden: Zunächst orientieren sich Entscheidungen relativ klar an Fakten und an Meinungen der Peergroup bzw. der Experten; später fließen zusätzlich eigene, persönliche Einschätzungen mit ein; in der dritten Phase wird die Entscheidungsfindung komplexer und eher systemisch, weil Alternativen und potentielle Gegenargumente mit einbezogen werden.
Neiwert: “Sowohl der sozial-emotionale als auch der kognitive Entwicklungsstand können mit einem qualitativen halbstrukturierten Interview bestimmt werden.” Hier “wird beleuchtet, wie eine Person sich im Alltag und im Berufsleben Bedeutung erschließt und bis zu welchem Grad sie in der Lage ist, eine Theorie von sich und den sozialen Beziehungen zu entwickeln … In der Auswertung wird zunächst der Entwicklungsschwerpunkt ermittelt. In einem zweiten Schritt werden a) Aussagen dazu getroffen, wie groß die Tendenz ist, in schwierigen Situationen in frühere Entwicklungsphasen zurückzufallen, und b) welches Entwicklungspotenzial sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt zeigt.
Geht es darum, den richtigen Mitarbeiter für eine Führungsposition zu finden, lassen der kognitive Fluiditätsgrad sowie der sozial-emotionale Entwicklungsstand Aufschluss darüber zu, welchen Komplexitätsanforderungen ein Mensch momentan gewachsen ist …”
Gerd Jüttemann hebt hervor: “Eine Entwicklung eines Menschen zu diagnostizieren, geschieht einerseits auf dem Weg, Messungen durchzuführen. Das setzt aber in der Regel einen linear verlaufenden Veränderungsprozess voraus. Inhaltliche und strukturelle Entwicklungen sind demgegenüber nicht messbar. Sie müssen qualitativ-intuitiv erfasst werden und repräsentieren zugleich eine besonders anspruchsvolle Form von Diagnostik … Es gilt, diesen Zugang zum Gegenstand der Psychologie stärker als bisher zu beachten - möglicherweise sogar mit der Aussicht, Erkenntnisquellen aufzuspüren, die noch gar nicht entdeckt worden sind …”
Gerd Jüttemann (Hrsg.): Biographische Diagnostik. Pabst, Lengerich/Berlin 2011, 324 Seiten, ISBN 978-3-89967-719-5
Quelle: Pabst Science Publishers
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Benchmark für Assessment Center Diagnostik (BACDi)
21.4.2011 von admin.
Mit einem Evaluationsinstrument, dem Benchmark für Assessment Center Diagnostik (BACDi), können Unternehmen ihr AC auf methodische Stärken und Schwächen prüfen und daraus Maßnahmen zur Überarbeitung ableiten.
Ein aktueller Artikel fasst diese Aspekte anschaulich zusammen:
http://www.bacdi.de/articleZeE.pdf
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Das entscheidungsorientierte Gespräch: mehr erfahren, tiefer diagnostizieren, verlässlicher prognostizieren
7.4.2011 von futureformat DGME.
Auch erfahrenen Diagnostikern und Rechercheuren unterlaufen in der Gesprächsführung häufig folgenschwere Fehler. Daher haben Professor Dr. Karl Westhoff und Kollegen (Dresden) die empirisch gesicherten Ergebnisse der Interviewforschung für die tägliche Praxis zusammengestellt; das Hauptziel wirkt nur auf den ersten Blick simpel: Ichbetroffenheit ins Spiel bringen und den Gesprächspartner Episoden anschaulich darstellen lassen.
Westhoff belegt, dass unstrukturierte Interviews den flexibel strukturierten Gesprächsformen klar unterlegen sind: In unstrukturierten Interviews spricht der Interviewer häufig zuviel und erhält dadurch zu wenige Informationen; und emotionale Urteilskomponenten spielen eine größere Rolle, können also das Urteil stärker verfälschen.
International sind drei strukturierte Gesprächstypen gängig:
- das situative Interview
- das verhaltensbeschreibende Interview
- das multimodale Interview
Westhoff und Kollegen halten sich nicht an die Einschränkungen dieser Techniken, sondern “nutzen alle Ansätze, die sich empirisch als nützlich erwiesen haben. Das Ergebnis ist eine vielseitig anwendbare Technologie, die bei allen psychologisch-diagnostischen Fragestellungen nutzbar ist.
Die Besonderheit dieses entscheidungsorientierten Gesprächs (EOG) liegt in der Möglichkeit zur systematischen Erhebung und Auswertung qualitativer Informationen (Tiefeninterview). Dazu soll der Interviewte sein konkretes Verhalten und Erleben so beschreiben, dass der Interviewer es sich vorstellen kann, als ob er es in einem Film sähe …”
Das Buch der Arbeitsgruppe Westhoff konkretisiert die meisten Beispiele zwar mit Blick auf Bewerber-Auswahl und mündliche Prüfungen. Doch auch Psychotherapeuten und Forensiker profitieren von dem vorgestellten Interview-”Werkzeugkasten”. Die Coautorin Prof. Dr. Marie-Luise Kluck erzielt mit ihren forensischen Gutachten eine überdurchschnittlich hohe Vorhersagegüte.
Karl Westhoff (Hrsg.): Das Entscheidungsorientierte Gespräch (EOG) als Eignungsinterview. Beiträge von: O. Brust, H. Flehmig, C. Hagemeister, M.-L. Kluck, A. Koch, C. Liebert, A. Schurz, M.B. Steinborn, A. Strobel, K. Westhoff. Pabst, Lengerich/Berlin, 156 Seiten Hardcover, ISBN 978-3-89967-550-4
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Seminar des Tages: Burnout-Prävention für Führungskräfte
9.3.2011 von futureformat DGME.
Seminar des Tages: Burnout-Prävention für Führungskräfte, 19. Mai 2011, Hamburg-Ottensen
Das Burnout-Risiko - das “Ausbrennen” nimmt heute deutlich bei Menschen in leitenden Positionen zu. Führungskräfte und Manager stehen stark unter Druck, Erfolgszwang und Stress. Doch nicht ohne Grund sind Manager das geworden, was sie heute sind! Sie verfügen über starke Motoren und Antreiber, die sie erst zu Führungskräften werden ließen. Doch gerade diese Eigenschaften sind es, die häufig Burnout begünstigen.
In dem Training wird aufgezeigt, welche Umstände zum Burnout führen können und welche Persönlichkeiten besonders gefährdet sind. Durch einen Persönlichkeits-Check, der in dem Training integriert ist, können Sie erkennen, ob Sie gefährdet sind.
Weitere Infos: http://bit.ly/fF0iet
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Berufsbezogene Eignungsbeurteilung: häufig mit untauglichen Testverfahren
3.12.2010 von futureformat DGME.
In der berufsbezogenen Eignungsbeurteilung werden häufig mangelhafte Testverfahren verwendet. Die Ergebnisse können für den Bewerber wie den Arbeitgeber zu verheerenden Ergebnissen führen. Professor Dr. Klaus Kubinger (Wien) beschreibt ein relativ einfaches Beispiel:
“Weithin bekannt sind Aufgaben zum räumlichen Vorstellungsvermögen, wovon einzelne jedoch allein durch schlussfolgerndes Denken zu lösen sind. So kann es passieren, dass Personen mit schlechter Raumvorstellung bei manchen Aufgaben im Gegensatz zu den meisten anderen ungerechtfertigt zu einer Lösung kommen, allein deshalb, weil diese Aufgaben auch durch Logik zu lösen sind.
Solche Tests gehen an der Idee einer eindimensionalen Messung vorbei und sind daher unbrauchbar - abgesehen davon, dass sie gegenüber etlichen Personen unfair sind.”
Kubinger fordert, dass diagnostische Verfahren nur eingesetzt werden, “wenn belegt ist, dass die einschlägigen Gütekriterien erfüllt sind. Es genügt also nicht nur, dass im Handbuch irgendwelche Angaben zu Gütekriterien gemacht werden, sondern diese müssen auch in definierter Weise erfüllt und empirisch belegt sein. Die DIN33430 legt fest, was genau ´in definierter Weise´ heißt. Dabei geht es fallspezifisch darum, dass die Verfahren ´nachweislich einen Bezug zu den Anforderungen´hat.
Entscheidend sind die Gütekriterien: Objektivität, Messgenauigkeit (Reliabilität), Übereinstimmung zwischen Messabsicht und tatsächlich gemessener Eigenschaft (Validität), Gültigkeit der Eichung, Ökonomie, Nützlichkeit, Fairness, Zumutbarkeit, Angemessenheit der Punktvergabe (Skalierung) und Unverfälschbarkeit.”
Westhoff, Hagemeister, Kersting, Kubinger, Lang, Moosbrugger, Reimann, Stemmler: Grundwissen für die berufsbezogene Eignungsbeurteilung nach DIN 33430, 3. überarbeitete Auflage 2010.
Pabst, Lengerich/Berlin, 280 Seiten ISBN 978-3-89967-561-0
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